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Mar 26

/ nic.at News - 26.03.2020 10:42
Die neue Generation der Internet Governance: „Mein Engagement galt als uncool“

Die 21-jährige Liliane Leißer aus Wien engagiert sich seit ihrem 15. Lebensjahr im Bereich Internet Governance. Sie setzt sich vor allem gegen Cyber-Mobbing ein und erzählte uns beim Domain pulse über ihr Engagement und die Herausforderungen für junge Menschen, die mitdiskutieren möchten.

Es begann alles mit einem Vorfall in der Schule. Liliane Leißer erinnert sich genau: Von einer Mitschülerin tauchte plötzlich ein Nacktfoto auf. Das Foto wurde über Social Media verbreitet und verschickt. Es war das Gesprächsthema in der Schule. „Das waren meine ersten Berührungspunkte mit Cyber-Mobbing“, erzählt Leißer. Seitdem lässt sie das Thema nicht mehr los. 2015 und 2017 nimmt sie am Jugendprogramm „Better Internet for Kids“ teil und ist bei Veranstaltungen wie der EuroDIG, einer europaweiten Diskussionsplattform für Fragen der Internet Governance, aktiv. Ihre Diplomarbeit in der Schule widmete sie ihrem Herzensthema „Jugend und digitale Medien" und programmierte ein Rollenspiel zum Thema Cyber-Mobbing, das ihr den 2. Platz bei den Safer Internet Awards 2018 einbrachte. „Das Spiel soll Wege aus dem Cybermobbing aufzeigen. Die Lehrenden haben ein Tool an der Hand, das den Jugendlichen die Position des Cyber-Mobbing-Opfers aufzeigt“, sagt Leißer. Und wo lernte die junge Wienerin das Programmieren? „In der Schule und mithilfe jeder Menge Youtube-Tutorials.“

Ideen werden nicht immer ernst genommen
Seit 2018 arbeitet Lili Leißer neben ihrem Jus-Studium nun im Österreichischen Institut für Telekommunikation im Projekt Safer Internet als Jugendkoordinatorin. „Ich organisiere die regelmäßigen Jugendtreffen, arbeite aber auch an verschieden anderen Sachen wie unserem Instagram-Profil mit.“

Während ihrer Schulzeit war Leißer die einzige, die sich für Themen wie Internet Governance interessierte. „Mein Engagement galt als uncool“, erzählt sie heute schmunzelnd. „Manche Mitschüler waren der Meinung, dass meine Arbeit nichts bewirken kann.“ Es sei auch nicht einfach, als junger Mensch in dieser Branche Fuß zu fassen, gibt sie zu. „Ich bin bei Veranstaltungen oft die Jüngste. Meine Ideen werden zwar angehört, aber nur selten ernst genommen“, ärgert sich Leißer. „Dabei ist meine Generation digital aufgewachsen.“ Ein Problem sei die Sprache. „Internet Governance ist ein Thema, über das auf Konferenzen auf einem sehr hohen Level gesprochen wird.“ Das erschwere Jugendlichen die Teilnahme. „Es muss viel mehr in Jugendprogramme investiert werden, damit mehr junge Menschen erfahren können, wie viel Spaß es macht und wie wichtig es ist, sich einzumischen. So lernen Jugendliche, dass sie auf ihre eigene Art Experten sind.“


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