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Mar 26

/ nic.at News - 26.03.2020 09:45
Die neue Generation der Internet Governance: „Die Positionen junger Menschen finden nicht ausreichend Gehör“

Elisabeth Schauermann setzt sich für die größte demografische Gruppe unter den Internetnutzern ein: junge Menschen. Beim Domain pulse diskutierte sie in einer hochkarätigen Runde zum Thema Internet Governance.

Elisabeth Schauermann war schon viel unterwegs: Praktika in Russland und Litauen und ein Auslandssemester in Georgien haben dabei ihr Interesse an Internet Governance geweckt. „2012 war ich über den Sommer Praktikantin beim Radio ‚Stimme Russlands‘. Zur gleichen Zeit war der Pussy-Riot-Prozess vor Gericht. Am Tag der Urteilsverkündung konnte ich in der Arbeit keine nicht-russischen Nachrichtenseiten aufrufen. Dieses Miterleben von politischer Internetzensur hat auf jeden Fall in Folge geprägt, dass ich mich mit Netzpolitik und Internetregulierung beschäftigt habe.“

Die 28-Jährige aus Nußbach in Oberösterreich arbeitet heute in der Geschäftsstelle für Informatik (GI) in Berlin als Expertin für Künstliche Intelligenz und Internet. Sie sieht sich als Vertreterin einer jungen Generation, der eine „angemessene Beteiligung bei den politischen Prozessen und Entscheidungen“ zusteht. Viel zu oft sei das beim Thema Internet Governance nicht der Fall. „Junge Menschen gestalten das Internet maßgeblich mit, ihre Positionen finden trotzdem nicht ausreichend Gehör. Sie benötigen mehr Mitbestimmung“, sagt Schauermann.

Expertin für Künstliche Intelligenz
Die KI-Expertin studierte Transkulturelle Kommunikation in Graz, darauf folgte das Masterstudium Global Studies. „2015 habe ich in Georgien an meinem ersten Internet Governance Forum teilgenommen.“ Um ihr Wissen in diesem Bereich zu vertiefen, besuchte sie die Europäische Sommerschule für Internet Governance, nahm beim Internet Governance Forum 2016 teil und engagiert sich seitdem beim European Dialogue on Internet Governance - eine jährlich stattfindende europaweite Diskussionsplattform. „Für junge Menschen wird das Thema oft zu abstrakt diskutiert“, sagt Schauermann. Die Hemmschwelle sei hoch, sich den Themen anzunehmen und eine Meinung zu bilden. Um mehr für das Thema zu begeistern, müsse dies etwas heruntergebrochen werden. Das merkt Schauermann auch bei Freunden aus ihrem Umfeld, die sich mit diesen Themen noch nie beschäftigt haben. „Ich versuche oft, die Probleme so zu beschreiben, dass sie auch ein Nicht-Experte verstehen kann. Das gelingt leider nicht immer.“ Wichtig sei es aber, sich dem Thema langsam zu nähern und eine Grundidee zu bekommen. „Ist man dann tiefer drin, kommt die Expertise“, sagt Schauermann. Denn von einem ist sie überzeugt: „Die Jugend kann sich – wie man auch bei Fridays for Future sieht – sachlich, informiert und solidarisch in gesellschaftspolitische Fragen einbringen.“

Partizipation junger Menschen vorantreiben
Schauermann organisierte dafür im Rahmen ihrer Arbeit bei der Geschäftsstelle für Informatik in Berlin das Projekt Youth Internet Governance Forum (YIGF), das 2019 mit Unterstützung des Bundesministeriums Wirtschaft und Energie (BMWi) umgesetzt wurde. Es soll die Partizipation junger Menschen weltweit vorantreiben. Es gibt dabei auch länderspezifische Unterschiede: „Mein subjektives Erleben war, dass es beispielsweise in den Niederlanden ‚normaler‘ ist, junge Menschen in Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen. In Brasilien sehe ich auch mehr Jugendaktivitäten. Ich kann aber nicht sagen, ob sich mehr Aktivität auch in mehr Einbezug übersetzt.“ Größere Unterschiede sieht Schauermann allerdings in Bezug auf Institutionen. „Der Europarat hat schon seit längerem das Prinzip der Co-Governance, wo ein Beirat aus jungen Menschen gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgern arbeiten. In manchen Ländern gibt es Jugendparlamente, die sich auch zunehmend mit digitalen Themen beschäftigen und ihre Forderungen an Regierungen tragen.“


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