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/ nic.at News - 18.12.2019 09:06
Die Welt des Domainhandels

Einst stand der Handel mit Domains für den Traum vom schnellen Geld im Internet. Manche wurden damit auch sehr reich. Das Gros der Domainhändler wartet aber bisher auf den Deal des Lebens. Wir haben uns die Welt des Domainhandels genauer angesehen.


Rick Schwartz verkaufte Anfang der 90er-Jahre Möbel. Ein harter Job. Zwischen Küchentisch und Polstergarnitur kam der US-Amerikaner 1995 aber auf eine Idee: Man könnte sich doch Internetadressen sichern und mit Gewinn weiterverkaufen. Er ließ die Möbel Möbel sein und kaufte eine riesige Zahl an Domains. Diese Entscheidung wird er sicher nie bereut haben. Heute ist er eine der schillerndsten Figuren im weltweiten Domain-Geschäft. Und einer der erfolgreichsten Investoren. Er selbst nennt sich - ganz bescheiden - „Domain King“. Schwartz registriert und kauft Domains, und hat dabei so ein gutes Händchen, dass er gelegentlich die ein oder andere Domain zu extrem hohen Preisen verkaufen kann. Im Jahr 2003 veräußerte er beispielsweise men.com für 1,32 Millionen US-Dollar. Und er lässt alle Welt per Twitter und Blog an seinem Geschäftsmodell teilhaben. Er twittert Sätze wie: „Domaining ist the greatest business ever!“ oder „Was früher ein Spiel war, das von wenigen gespielt wurde, ist heute eine florierende Branche.“

Mehrere Stunden in der Woche Domainhandel
Schwartz ist in dieser Branche sicher eine Ausnahmeerscheinung. In einem Interview mit der Seite thedomains.com gibt er frischgebackenen Domainhändlern Tipps: „Man sollte langsam beginnen und nicht sofort seinen Job kündigen“, sagt er. „Domainhandel kann das lohnendste Hobby sein und ein großartiges Geschäft, wenn man es versteht.“
Domainhandel als Hobby? Einer, der das so macht, ist Niels Buntrock. Der Familienvater ist eigentlich Softwareentwickler in Festanstellung. Das Geschäft mit Domains reizt ihn aber. „Mein Interesse war früh da, ich beobachte den Markt und kaufe immer wieder“, erklärt Buntrock. Der bei Hamburg lebende Domainhändler verbringt mit seinem Hobby einige Stunden in der Woche. Manchmal auch mehr. „Das bezieht sich aber nicht nur auf den Handel, ich verwalte und bereite Sachen für Projekte vor.“

Goldmine Domainhandel
Von den Erfolgen des „Domain Kings“ ist Buntrock weit entfernt. Bisher hat er nur ein paar Hundert Euro mit einigen wenigen Domains verdient. „Und ich habe schon eine Menge Lehrgeld in den Sand gesetzt“, gibt er zu. Er setzt deshalb auf die neuen Endungen: „Nicht alles ist spannend, aber ich hoffe auf eine gute Entwicklung.“ Lange Zeit bestanden die Top-Level-Domains (TLD) fast ausschließlich aus Länderkennzeichen wie .at und generischen Endungen wie .com. Das änderte sich mit den sogenannten new gTLDs. Aber Buntrock betont: „Ich habe meine Goldmine noch nicht gefunden.“ Seine Strategie soll ihn zum Erfolg führen: „Ich sichere mir Domains, die ich interessant finde. Ich überlege mir dann, was ich mit diesem guten Namen machen könnte, was für ein Projekt ich darauf bauen könnte“, erklärt Buntrock. Einen Webdienst oder eine spezielle Marketing-Seite für Immobilien. „Ich versuche, einen Sinn im Namen zu entdecken, der einen Mehrwert schafft.“

Branche der Domainhändler vernetzt sich
Domainhändler ist keine geschützte Berufsbezeichnung. „Man benötigt keine Ausbildung“, sagt Buntrock. Wohl aber viel Erfahrung. In der überschaubaren Branche ist man gut vernetzt, Buntrock kennt viele Gleichgesinnte. Ein beliebter Treffpunkt ist der einmal jährlich stattfindende Stammtisch für Domainer in Hamburg. Um die 20 Domainhändler treffen sich dort zum Austausch. „Es ist ein sehr guter Treffpunkt, um sich mit anderen aus der Branche über sein Portfolio zu unterhalten“, sagt Buntrock. Man vernetzt sich und bekommt gute Tipps. „Es sitzen viele alte Hasen dort, die seit 20 Jahren hauptberuflich Domains verkaufen. Das sind ausgesprochene Experten, Unternehmer, Verkäufertypen mit langjähriger Erfahrung im Domainhandel und auch technisch sehr versiert.“ Die Domainer setzen dabei nicht alle aufs gleiche Pferd. „Es gibt viele eingefleischte Verkäufer von .at-Endungen oder .eu-Endungen. So findet jeder seine Nische.“ Im Gegensatz zu einigen Kollegen des Hamburger Stammtisches, ist Buntrock auf seinen Hauptjob angewiesen. Es ist Geduld notwendig. „Eine Domain verkauft sich nicht von heute auf morgen. Es dauert oft Jahre“, sagt er.

Marketing im Domainhandel
Domainer registrieren entweder freie Domains mit Verkaufspotenzial oder kaufen bereits registrierte Domains, um sie mit Gewinn weiterzuverkaufen. Daniel Dingeldey, Domain-Experte und Betreiber des Blogs domainrecht.de, sagt: „Ziel ist es beispielsweise, eine Domain zum Preis von 200 000 US-Dollar zu kaufen und für zwei Millionen US-Dollar zu verkaufen.“ Auf seinem Blog beschreibt er die „Goldenen Regeln“ des Domain-Handels. Das Marketing sei besonders wichtig. „Stell Dir vor, Du hast einen „guten“ Domain-Namen und keiner interessiert sich dafür.“ Möchte man seine Domain verkaufen, muss man das dem Rest der Welt auch mitteilen.

Domainhandel wird immer schneller
Das Geschäft hat sich verändert. Viele Domainhändler nutzen heute Backorder-Dienstleister. Diese Dienste registrieren automatisch eine Domain, wenn sie frei wird oder gelöscht wird. „Es gibt Plattformen, die sich bei Löschung von Domains einschalten“, sagt Buntrock. Man zahle eine Gebühr, um dann als Höchstbietender zugreifen zu können. „Alle Domains per Hand zu registrieren würde zu lange dauern, es geht um Schnelligkeit.
Und was treibt einen Händler an, in die Welt der Domains einzutauchen? Niels Buntrock sagt: „Die Hoffnung auf eine springende Idee.“ Der Durchbruch, das große Geld. Und was ist mit „Domain-King“ Rick Schwartz, der schon so vieles in diesem Bereich erreicht hat? Auf seiner Homepage gibt der US-Amerikaner Einblick in seinen umfassenden Lebenslauf. Unter dem Stichwort Interessen steht aber nur ein einziges Wort: Erfolg.