/ Wer verwaltet das Internet

Die Internetverwaltung stellt sicher, dass Anfragen auf der richtigen Webseite landen, E-Mails den gewünschten Empfänger erreichen oder Inhalte ausgetauscht werden können. Dinge, die dem/n NutzerInnen im täglichen Gebrauch nicht auffallen, aber wesentlich zur Stabilität und Funktionalität den World Wide Web beitragen. Hier stellen wir Ihnen die wichtigsten Organisationen in der Internetverwaltung vor.


Als Gründerväter des Internet gelten Vint Cerf, Robert Kahn, Larry Roberts, Sir Tim Berners-Lee und viele weitere. Sie alle legten mit ihrer Kreativität und Forschung den Grundstein, für das World Wide Web, das wir heute kennen. Was als reines Militär- bzw. Forschungsprojekt in den Vereinigten Staaten startete, führte in den 1990er Jahren zu einer zunehmenden Kommerzialisierung und der Notwendigkeit einer globalen Aufsichtssfunktion.  Diese Verantwortung ging im Jahr 1998 die gemeinnützige Organisation,  der "Internet Corporation for Assigned Names and Numbers" (ICANN) über, welche dem US-Handelsministerium unterstellt ist. Im Jahr 2014 entschied die amerikanische Regierung unter der Obama Administration, diese Aufsichtsfunktion aufzugeben und der globalen Internet Community zu überlassen. Es folgte ein zweijähriger multinationaler Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Organisationen, Technischen Dienstleistern und Regierungen, mit dem Ziel, eine völlig neue Art der Aufsicht unter dem Multistakeholder-Prinzip zu schaffen. 

Die IANA Stewardship Transition

In der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 2016 ließ die zuständige Telekommunikationsbehörde des US-Handelsministeriums (NTIA) den Vertrag über die IANA-Funktionen mit ICANN auslaufen. Damit kontrolliert und verwaltet ein Multistakeholder-Gremium erstmals seit ihrer Gründung 1998 die sogenannten Zonefiles der Top-Level Domains – wie beispielsweise .at oder .com – eigenverantwortlich und unabhängig. 

 


ICANN - Internet Corporation for Assigned Names and Numbers

ICANN ist eine Non-Profit-Organisation mit Hauptsitz in Kalifornien. Sie wurde 1998 gegründet und von der US-Regierung mit der technischen Verantwortung für das Internet (IANA Funktion) beauftragt, die zuvor beim US Department of Commerce und noch früher beim Forschungsnetzwerk ARPANET und dem US-Verteidigungsministerium gelegen war.

Aufgaben der ICANN:

Eine der Hauptaufgabe der ICANN liegt in der Gewährleistung der technischen (Ausfall-)Sicherheit, Stabilität und Interoperabilität des Internets. Im Rahmen der sogenannten „IANA Funktion“  (Internet Assigned Numbers Authority) koordiniert ICANN:

  • die 13 Root-Server des Internets und somit das Domain Name System für alle Top-Level Domains
  • die IP (Internet Protokoll)-Adressblöcke und stellt diese den regionalen Internet Registries zur Verfügung
  • gemeinsam mit der IETF die Spezifikationen von Codes, die in Netzwerkprotokollen enthalten sind

ICANN hat aber auch eine politische Funktion und definiert sich als „the place to work out Internet govnerance policies“. So gibt ICANN die Richtlinien für die generischen Top-Level Domains (gTLDs) vor und ist für die Einführung neuer Top-Level Domains verantwortlich. In sogenannten „bottom up“, konsens-orientierten und Multi-Stakeholder Prozessen werden die Richtlinien gemeinsam entwickelt. Als bisherige Erfolge schreibt sich ICANN die Preissenkung für gTLDs, die Streitschlichtungs-Policy für gTLDs, die DNSSEC Signierung der Root Zone und die Internationalisierung des Internet in Form von IDN (Internationalized Domain Names – z.B. auf kyrillisch etc.) auf seine Fahnen. Kritiker monieren die Abhängigkeit ICANNs von der amerikanischen Regierung und den Sitz in den USA – bislang sind aber keine Fälle bekannt, wo diese Situation missbräuchlich ausgenutzt wurde.

Struktur von ICANN:

Die Struktur der ICANN läuft „Bottom up“: Vier Ausschüsse, das sogenannte Government Advisory Commitee, bestehend aus Regierungen und internationalen Organisationen (GAC), Betreiber von Root-Servern (RSSAC), einer Sicherheitsorganisation (SSAC) und der Vertretung von Internetnutzern (At-Large), können Vorschläge und Empfehlungen einreichen, welche dann im Board of Directors zur Abstimmung kommen. Dieses internationale Board of Directors aus 21 Mitgliedern trifft schließlich die endgültigen Entscheidungen.

Richard Wein

„Wir verfolgen intensiv den Entwicklungsprozess der Internetverwaltung. Für uns als Registry ist es wichtig, über die globalen Entwicklungen im Domain Name System Bescheid zu wissen. Und auch als technischer Dienstleister für neue Top-Level Domains ist der Informationsvorsprung und das Netzwerk äußerst relevant.“

Richard Wein Kaufmännischer Geschäftsführer nic.at

CENTR - Council of European National Top-Level Domain Registries

CENTR ist die Vereinigung von Country Code Top-Level Domain-Registrierungsstellen - sprich der Länder-Registrierungsstellen wie .at, .de oder .uk – und leistet als solche einen wichtigen Beitrag für die Community: Die 1998 gegründete Vereinigung koordiniert und vernetzt derzeit 51 vollständige und zehn außerordentliche Mitglieder untereinander. Durch die Organisation von regelmäßigen Fach-Meetings und der dreimal jährlich stattfindenden Generalversammlung ist es möglich, dass die Registrierungsstellen im gegenseitigen Austausch zueinander stehen und voneinander lernen können.

Doch nicht nur das persönliche Kennenlernen steht dabei im Vordergrund: CENTR ist durch seinen Hauptsitz in Brüssel sehr nahe am aktuellen Geschehen der Europäischen Kommission und versorgt seine Mitglieder somit laufend mit wichtigen Informationen sowie mit Berichten von internationalen Meetings, welche für die Branche relevant sind. So gelingt neben der Förderung und Entwicklung von einheitlichen Standards unter den Registries auch eine Plattform, die sich aktiv für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzt. nic.at bringt sich sowohl bei Fachmeetings als auch im Board ein: Geschäftsführer Richard Wein war zwei mal gewählter Treasurer von CENTR, Alexander  Mayrhofer ist Vorsitzender der R&D Arbeitsgruppe, Christian Proschinger Vize-Vorsitzender der Security Arbeitsgruppe und Monika Pink-Rank ist Vorsitzende der Marketing Arbeitsgruppe. 

Katharina Deutsch

„Für mich liegt der Nutzen von CENTR Meetings im Austausch in einer vertrauenswürdigen Umgebung. In anregenden Diskussionen besprechen wir aktuelle Themen, Trends, können Erfahrungen einbringen, holen uns Anregungen und arbeiten gemeinsam an Lösungen.“

Katharina Deutsch Leitung nic.at Kundenservice

IETF - Internet Engineering Task Force

Das IETF Standardisierungs-Gremium des Internet sorgt als internationale Freiwilligenvereinigung von Netzwerktechnikern, Herstellern, Netzbetreibern, Forschern und Anwendern für die technische Weiterentwicklung des Internets. Dies ist aktuell beispielsweise die Überarbeitung beziehungsweise Neuentwicklung von Internetprotokollstandards. In mehrmals jährlich stattfindenden Treffen werden Arbeitsgruppen zu technisch spezifischen Themen abgehalten, an denen auch nic.at mitarbeitet – so ist etwa R&D Leiter Alexander Mayrhofer Autor von  sieben RFCs (Requests for Comment).

Alexander Mayrhofer

„Es ist faszinierend, an einer globalen technischen Weiterentwicklung des Internet teilzunehmen. Wir definieren Standards, die für den Internet User gar nicht sichtbar sind, aber in ein paar Jahren Grundlage für ganz neue Dinge sein können.“

Alexander Mayrhofer Leitung nic.at Forschung & Entwicklung

RIPE NCC - RIPE Network Coordination Centre

Das RIPE Network Coordination Centre stellt als unabhängige, gemeinnützige Organisation wichtige Einrichtungen, Registrierungsservices und Koordinationsaktivitäten bereit, welche die Funktionalität des Internets unterstützen. Unter anderem koordiniert RIPE die Vergabe von IP-Adressen und AS-Nummern in Europa, dem Nahen Osten und Zentralasien. Zudem beteiligt sich RIPE an einer Reihe von Aktivitäten welche als „Internet Governance“ definiert werden. Diese Aktivitäten umfassen die Arbeit mit der technischen Community, Regierungen, Regulatoren, Exekutivorganen und der Zivilgesellschaft. Als eine der fünf „Regional Internet Registries“ (RIRs), spielt RIPE eine zentrale Rolle im Erhalt und der Entwicklung von Internet-Standards.

Robert Schischka

„Bei RIPE Meetings geht es um aktuelle Trends und Policies im Adressmanagement – für uns ein wesentliches Branchentreffen, wo die meisten ISPs und Registries vertreten sind. Wir beteiligen uns auch an RIPE Monitoring-Projekten wie z.B. dem RIPE Atlas.“

Robert Schischka Technischer Geschäftsführer nic.at

ITU – International Telecommunications Union

Die internationale Fernmeldeunion (International Telecommunication Union, ITU) beschäftigt sich als eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen  mit den technischen Aspekten der Telekommunikation. Ziele der ITU sind die Abstimmung und Förderung der internationalen Zusammenarbeit im Nachrichtenwesen durch beispielsweise die internationale Zuweisung und Registrierung von Sende- und Empfangsfrequenzen bzw. die Regelungen für die Nutzung von Frequenzen.  Beschränken sich die Regelungen derzeit auf die Telefonie, möchten einige Staaten diese auch auf das Internet ausweiten, was international sehr umstritten ist und von den USA und Europa jedenfalls verhindert werden möchte.