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Registrartag 2008: Internet-Expertenforum tagt in Wien – Internationale Domainlandschaft steht vor Revolution
Donnerstag, 27. November 2008
Am 27. November fand in Wien der Österreichische Registrartag statt. Die österreichische Domain-Registrierungsstelle nic.at lud zum jährlichen Expertenmeeting, das heuer vor dem Hintergrund zahlreicher bahnbrechender Entwicklungen in der internationalen Domain-Landschaft stattfand.
Ein Hauptprogrammpunkt des dritten österreichischen Registrartags war die Podiumsdiskussion zur Zukunft der weltweiten Top-Level-Domain
Landschaft mit Carsten Schiefer von Telnic und damit für die neue TLD .tel verantwortlich, Matthias Mayer-Schoenherr von SEDO, Dirk Krischenowski, Geschäftsführer von dotBerlin, und Hakan Ali, Gründer und Geschäftsführer von InternetX. Zukunftsforscher Harry Gatterer berichtete zuvor über „Das neue FINDEN“ im Internet, und nic.at stellte gemeinsam mit dem Österreichischen Institut für Angewandte Telekommunikation (ÖIAT) die Initiative „Stopline“ zur Bekämpfung von Kinderpornografie und NS-Wiederbetätigung im Internet vor, die ab sofort mit der Sicherheitsinitiative www.saferinternet.at
enger zusammenarbeitet.
Schwerpunkt: Neue TLDs
Der Registrartag stand unter dem Schwerpunkt „Neue Top-Level-Domains“. Wird es in Zukunft für jedermann möglich sein, seine eigene Top-Level-Domain
zu registrieren? Kommt bald .tirol, .bodensee oder .karl? Und: Wird das Netz bald auch chinesisch und arabisch? Diese und andere Fragen stellten sich am 27. November rund 100 heimische Internet-Experten – hauptsächlich Provider, IT-Profis und Vertreter von Wissenschaft und Forschung. „Die Marschroute ist klar, für die Umsetzung der neuen Top-Level-Domains werden die Weichen im kommenden Jahr gestellt“, gibt nic.at-Geschäftsführer und Veranstalter des Registrartags, Richard Wein, einen ersten Ausblick auf die Zukunft der weltweiten Domainlandschaft.
Die Revolution 2009
Hintergrund dieser Debatten unter Experten: Das globale Internet-Verwaltungsgremium ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) hat bei seinem Meeting im Juni 2008 nach jahrelanger Diskussion die Entscheidung getroffen, ein standardisiertes Verfahren zu Einführung neuer Top-Level-Domains (TLDs) zu schaffen. Künftig kann sich jedermann um die Verwaltung neuer TLDs bewerben – egal ob sie nun .wien, .bodensee oder .shop heißen. Obwohl die genauen Details zur Bewerbung noch nicht feststehen: Klar ist, dass die Bewerber verschiedene Prüfphasen durchlaufen, ihre technische wie administrative Kompetenz beweisen und sich auf Kosten bis zu US$ 280.000 einstellen müssen.
Viele Fragen – Antworten auf .at?
Ebenso klar ist aber auch, dass dieses Konzept eine Reihe von Fragen aufwirft: Was geschieht mit Doppelbezeichnungen geografischer Regionen oder Städte? Wie sieht es mit Erstzugriffsrechten für Marken aus? „Viele Fragen sind noch offen“, meint Richard Wein, Geschäftsführer der österreichischen Domain-Registrierungsstelle nic.at, die zuständig für die Verwaltung aller .at- Domains ist. nic.at rechnet einerseits mit einer Zunahme von regionalen Domains wie .salzburg oder .wien und wird in diesem Prozess eine wichtige Expertenrolle spielen und Städten und Gemeinden als Sparring-Partner zur Verfügung stehen. Andererseits relativieren die Experten von nic.at die Erwartungen mancher, es könne zu einer wahren Flut an neuen Regional-Domains kommen. „Der Weg zu einer TLD ist langwierig und teuer. Alleine für die Anmeldung muss man mit 185.000 Dollar rechnen, dazu kommen Kosten für die technische und rechtliche Prüfung, laufende Betriebs- und Personalkosten und die Jahresgebühren an ICANN von 75.000 Dollar“, erklärt Richard Wein. Diese Summen sind für die meisten Privatpersonen unerschwinglich, und auch Städte und Gemeinden werden vor diesem Hintergrund zweimal über die Anschaffung einer eigenen Top-Level-Domain
nachdenken.
.at als österreichischer Anker im Netz
Für die Teilnehmer am Registrartag ist die Regionalisierung des Internets eine logische Fortsetzung seines Wachstums und der damit einhergehenden Segmentierung. Die neuen Top-Level-Domains und die Ausweitung der IDNs (Internationalized Domain Name, in .at vor allem Umlautdomains) entsprechen diesem Trend, der richtungsweisend ist für die Zukunft des Internets. Für sie steht aber ebenso fest: Die Erweiterung des Internets wird bestehende, „bewährte“ und beliebte Domains eher stärken denn schwächen. Denn in einem immer unübersichtlicheren und stark ausdifferenzierten Marktumfeld setzt der Konsument traditionell auf Marken, die etabliert und bekannt sind. „Für Internet-Österreich bedeutet das: Ein Ende des Wachstums der .at-Zone ist nicht anzunehmen, im Gegenteil. Wir stehen möglicherweise am Beginn einer neuen Ära eines stärker regional segmentierten Internets, das völlig neue Möglichkeiten eröffnet – auch und gerade für starke Marken wie .at“, so Richard Wein abschließend.
Rückfragehinweis:
Richard Wein,
nic.at-Geschäftsführer
Tel.: 0662/4669-14
gf
nic.at
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