Über nic.at
Domain pulse: IDN-Strategie im Brennpunkt des Internet-Gipfels
Freitag, 6. Februar 2004
Umlaut-Domains, Streitschlichtung und öffentliches versus privates Internet
Seit gestern ist Zürich Mittelpunkt der deutschsprachigen Internet-Fachwelt. Noch bis heute Abend diskutieren die Domain-Registrierer aus Österreich (nic.at), Deutschland (DENIC) und der Schweiz (SWITCH) im Rahmen des Domain pulse in Zürich über aktuelle und zukünftige Entwicklungen des Internets. Domain pulse gilt als die bedeutendste Veranstaltung für Trends, Tendenzen und Themen rund um das Internet und Domains im deutschsprachigen Raum.
Die neuen Umlaut-Domains – www.müller.at
kommt
Eines der Hauptthemen ist die bevorstehende Einführung der IDN-Domains – der Domain-Namen mit Umlauten und anderen Sonderzeichen – im deutschsprachigen Raum. In Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz können sich alle Müllers, Schröders und Krügers ab 1. März über ihre neuen Domain-Namen freuen, in Österreich ist es am 31. März soweit. Die drei Registrierungsstellen haben bei der Einführung der Umlaut-Domains intensiv kooperiert. nic.at-Geschäftsführer Richard Wein dazu: „Das weltweite Netz bekommt damit starke lokale Anker im deutschsprachigen Raum. Was liegt also näher als länderübergreifend in diesem Sprachraum zusammenzuarbeiten.“
Reduzierter Zeichensatz erleichtert Abwicklung massiv
Wein gab gestern auch bekannt, dass anstatt der bisher diskutierten 92 neuen Sonderzeichen, nun zunächst nur 34 neue Zeichen eingeführt werden sollen. Grund für den reduzierten Zeichensatz ist zum einen die geringe bzw. fehlende Nachfrage nach den restlichen Zeichen. Alle für Österreich relevanten Buchstaben – wie ä, ö, ü oder é - sind natürlich in der aktuellen Variante ebenfalls enthalten. Die neue Strategie hat einen wesentlichen Vorteil, denn „der limitierte Zeichensatz kann von den technischen Systemen wesentlich leichter verarbeitet werden und die Wahrscheinlichkeit von technischen Problemen wird dadurch deutlich reduziert“, so Wein. Mit anfänglichen Schwierigkeiten bei den neuen Domain-Namen muss trotzdem gerechnet werden, da derzeit nicht alle Softwareprogramme und Anwendungen IDN-fähig sind. „User müssen ihre Systeme auf den neuesten Stand bringen, um die volle Funktionalität der Umlaut-Domains nützen zu können“, gibt Wein zu bedenken.
First come, first serve als Grundprinzip der Vergabe
Die neuen Domain-Namen werden nach dem „first come, first serve“-Prinzip vergeben werden. Vorreservierungen werden von nic.at keine entgegengenommen. Registrierungen werden zu Beginn ausschließlich über Provider und Telekommunternehmer – die sogenannten Registrare - möglich sein. „Wir haben lange überlegt wie wir bei der Registrierung am besten vorgehen. Diese Strategie erschien uns am gerechtesten, da auf diese Weise nun jeder die gleichen Chancen hat. Also: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, so Wein.
Streitschlichtung und öffentlich oder privat gesteuertes Internet
Im Rahmen der Tagung wurde das neue Streitschlichtungsmodell der Schweizerischen Vergabestelle SWITCH vorgestellt und mit dem existierenden Modell der österreichischen Streitschlichtungsstelle ( www.streitschlichtung.at
) verglichen.
Bei der deutschen DENIC ist man der Auffassung, dass eine solche Stelle in Deutschland nicht notwendig sei.
Beim Thema Public Private Partnership waren sich die Vortragenden hingegen einig: Die Zusammenarbeit von öffentlichen Instituten und privaten Organisationen muss und soll in Zukunft verstärkt werden. Aus diesem Grund wird ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) von Grund auf umstrukturiert. "Wir wollen Dezentralisierung erreichen und Autoritäten reduzieren. Wir haben Schwachpunkte erkannt und werden diese beseitigen", so Paul Verhoef, neuer europäischer Vice President von ICANN. Die völlige Loslösung vom DOC, dem amerikanischen Department of Commerce, wird jedoch, zumindest in nächster Zeit, kaum möglich sein. Richard Hill von ITU (International Telecommunications Union) - einem internationalen Netzwerk von Regierungen und Privatorganisationen zur Koordinierung der globalen Telekom-Netzwerke und -Dienstleistungen in Genf - trat für eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen ITU und ICANN zur Verstärkung dieser Dezentralisierung ein.
Der Domain pulse in Zürich endet heute Abend und man darf gespannt auf den 31. März 2004, den österreichischen Stichtag für die Einführung der Umlaut-Domains, warten.
Basisinformation – nic.at
- nic.at ist für die Registrierung und Verwaltung aller at.-Domains zuständig. nic.at verwaltet die Daten aller Domains unter .at, co.at und or.at. Egal über wen die Anmeldung erfolgt (im Normalfall über Provider): Die Domain muss bei nic.at registriert sein, damit sie funktioniert.
- nic.at (Network Information Center) wurde Mitte 1998 gegründet und steht im Eigentum der gemeinnützigen Internet Foundation Austria (IPA).
- Richard Wein ist seit 2000 Geschäftsführer der nic.at und verantwortlich für die Agenden Finanzen, Administration, Organisation. Robert Schischka ist als Co-Geschäftsführer für den Bereich IT verantwortlich.
- Ab 31. März 2004 macht nic.at Umlaute und andere Sonderzeichen für Domain-Namen möglich. Gemeinsam mit den Domain-Registrierern in Deutschland (DENIC) und der Schweiz (SWITCH) wird der neue IDN-Standard (Internationalized Domain Names) eingeführt. Damit stehen Domain-Besitzern 34 neue Zeichen zur Auswahl.
Nähere Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter www.domainpulse.org
. Eine Liste der neuen Sonderzeichen für Domain-Namen gibt es unter www.nic.at/idn, eine Liste aller Registrare finden Sie unter www.nic.at/de/registrare.
Rückfragehinweis:
legend Consulting, Mag. Monika Kerck, Tel.: 01/524 76 16-25, mk@legend.at bzw. idn@nic.at
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